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Grundsätzliches zu Sicherheit und Passform

Bei schlecht sitzender Kombi, Stiefeln oder Handschuhen drückt man schon mal ein Auge zu. Beim Helm sieht das schon ganz anders aus.

Der Helm ist das wichtigste Stück Schutzbekleidung, das der Motorradfahrer am Leib trägt. Da muss alles passen. Wobei wir auch schon beim Stichwort sind: Passform.
Die Passform kann man von außen nicht sehen oder erahnen. Man muss den Helm eigentlich aufprobieren. Ein um den Kopf geschlungenes Maßband ist sicherlich erstmal ein guter Ansatz, aber da hört es dann auch schon wieder auf, denn hier geht es nicht nur um den Kopfumfang.

Wangenpolster, Komfortfutter, Innenschale und Kinnriemen wollen sich eng und passgenau an den Kopf des Trägers schmiegen, damit nachher nichts wackelt oder gar, dass der Helm sich im Falle eines Unfalles vom Kopf löst.
Bei unserem täglichen Umgang mit Kunden haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele sich nicht davon abbringen lassen wollen, einen zu großen Helm zu kaufen. Er ist im Neuzustand bequemer als ein Helm, der zunächst gefühlt zu stramm sitzt, um sich aber nach einiger Zeit dem Kopf anzupassen und dann dem Besitzer jahrelang ein sicheres Fahrvergnügen bietet.

Ein diskussionswürdiger Punkt, der immer wieder zur Sprache kommt ist, dass jemand nur Gelegenheitsfahrer sei und der Helm deshalb „nichts besonderes“ oder billig sein kann. Da haben wir eine ganz einfache Antwort: Der Helm muss erstmal passen. Ob er günstig ist oder nicht ist dabei zunächst zweitrangig. Ob der Helm aus Carbon oder Thermoplast ist, 1000 oder 100 Euro kostet entscheidet nur in zweiter Linie darüber, ob der Helm für den Träger sicher ist oder nicht.

Es spricht niemand gerne darüber. Aber mal gesetzt den Fall, Du hast den aus statistischer Sicht häufigsten Unfall, nämlich den, bei dem Dir die Vorfahrt genommen wird. Meist knallt man da direkt in den vorderen Kotflügel eines PKW. Dein Motorrad wird dabei von 100 auf 0 „entschleunigt“. Und das in Bruchteilen einer Sekunde. Die Kräfte, die dabei auftreten, sorgen dafür, dass man Teile der Schutzkleidung verlieren kann. Das gilt auch für den Helm, der durch den Ruck des Aufpralls verloren gehen kann. Das passiert zum Beispiel dann gerne, wenn der Helm „zu bequem“ gekauft wurde.

Ein anderes Szenario stellt sich so dar, dass man über den Asphalt rutscht und der Helm sich durch die Reibung auf der Straße über den Kopf des Besitzers „abzieht“. Das passiert vor allem gern bei Autobahnunfällen. Dort haben wir einen sehr rauhen Asphalt, der für die benötigte Reibung sorgt. Viele stellen sich vor, sie könnten da noch irgendwie reagieren und mit den Ellenbogenprotektoren auf der Straße „lenken“, aber mal ehrlich…Das mag für die Rennstrecke noch irgendwo zutreffen, im Straßenverkehr allerdings weiß man entweder vor lauter Schreck kaum wie einem geschieht, oder man ist schon längst K.O. während man noch rutscht.

Was wir Dir anbieten können, ist ein beratendes Gespräch. Am besten ist es natürlich Du kommst in unser Ladenlokal. Per Telefon oder per Email beraten wir aber auch. Durch unsere Erfahrung aus dem täglichen Umgang mit Kunden und den verschiedenen Pass- und Kopfformen können wir recht gut abschätzen, ob Dir Dein Traumhelm passt oder eher nicht.

Dazu brauchen wir ein paar Informationen. Zunächst ist es wichtig, zu wissen, welchen Helm in welcher Größe Du jetzt fährst und welchen Kopfumfang Du hast. Auch spielen Deine Fahrgewohnheiten eine Rolle. Soll der Helm für die Rennstrecke sein oder für den Alltag etc…

Wenn der Helm dann bei Dir ist, solltest Du ihn mindestens eine halbe Stunde aufsetzen, damit das Komfortfutter sich durch die Körperwärme anpassen kann. Die Wangenpolster dürfen ruhig ordentlich drücken, so dass eine Falte zwischen Nase und Wangen entsteht. Wenn der Helm neu ist, sollte man sich gerade eben so auf die Wangen beißen können. Lieber sogar mehr als weniger. Kritisch ist der Bereich wo der Kopfumfang am größten ist. Drückt es da merklich, wird der Helm da in Zukunft kaum nachgeben. Dann solltest Du uns anrufen.
Manchmal hilft bei Helmen, die am Kopfumfang passen aber an den Wangenpolstern zu locker sitzen, ein dickerer Wangenpolstersatz, den Du auch bei uns bekommen kannst. Auch da genügt ein kurzer Anruf.

Manchmal passt es halt einfach nicht, dann kannst Du natürlich von deinem Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Was nach Jahren des Tragens gern passiert: Die Wangenpolster leiern aus, der Schaumstoff in den Polstern verliert seine Rückstellkraft. Ein schleichender Prozess: der Helm wird lauter und sitzt nicht mehr so gut, fängt irgendwann an, zu wackeln. Letzteres wird natürlich auch wieder zum Sicherheitsproblem. Daher empfehlen wir, die Wangenpolster ca alle zwei Jahre zu tauschen.

Grundsätzliches zur Helmschale

Der schwerste Teil des Helmes ist die Helmschale. Das Gewicht ist ein entscheidender Faktor für den Tragekomfort.

Maßgeblich für das Gewicht ist das verwendete Material und die Materialstärke. Im Groben kann man sagen, dass hier zwischen zwei Materialarten unterschieden wird:

1. Thermoplastische Werkstoffe

Bei der Wahl des Materials kommt es aber nicht nur auf das Gewicht an. Andere wichtige Punkte sind:

  • Beständigkeit gegen Öle und Fette
  • temperaturbeständig
  • Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse und Alterung
  • Reißdehnung
  • Schlagzähigkeit
  • Lackier- und Bedruckbarkeit
  • Umweltschutz

Bei Helmen der niederen Preisregionen kommen meistens thermoplastische Werkstoffe zum Einsatz. Das sind Kunststoffe, die unter Hitzeeinwirkung in Form gebracht werden. Bei der Helmherstellung geschieht das durch die s.g. Extrusion oder im Spritzgießverfahren. Das am häufigsten verwendeten Materialien sind Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), Polycarbonat (PC) und Polyamid (PA)

Thermoplastische Helme lassen sich -vorrausgesetzt man hat einmal den benötigten Maschinenpark- relativ preisgünstig in großer Zahl herstellen. Oft sieht man auf einem Helm eine Mittelnaht. Daran kann man erkennen, dass der Helm im Spritzießverfahren mit einer zweiteiligen Gießform hergestellt wurde. Die Naht entsteht nicht dadurch, dass der Helm zusammengeklebt wurde.

Polycarbonathelme haben ein paar Nachteile, die man nicht außer Acht lassen sollte:

  • Geringere Alterungsbeständigkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber Lösungsmitteln, Lacken, Klebstoffen (Aufkleber), Benzin, Öl

Lösungsmittel greifen das Material ohne optische Auswirkungen an. Das bedeutet, dass der Helm, obwohl er unbeschädigt aussieht, in seiner schützenden Funktion eingeschränkt sein kann. Das Material härtet an den betroffenen Stellen aus und wird spröde.

Helme aus ABS und Polyamid sind gegenüber chemischen und umweltbedingten Einflüssen unempfindlicher. Jedoch sollten auch sie nur mit warmem (Seifen-) Wasser gereinigt werden. Dies gilt auch für die Visiere. Reinigt Eure Visiere bitte nicht mit Glasreiniger oder ähnlichen Haushaltsmitteln.

ABS und PA Helme haben eine Lebensdauer zwischen 5-8 Jahren. Bei Polykarbonaten spricht man von rund 3-4 Jahren.

2. Duroplastische Werkstoffe

Bei höherpreisigen Helmen verwendet man meist Verbundwerkstoffe für die Helmschale. Auch „Glasfaser verstärkter Kunststoff“ oder kurz GFK. GFK ist eigentlich als sehr leichter Werkstoff bekannt. In der Realität ist es aber so, dass GFK als Material an sich schwerer ist als zum Beispiel ABS. Warum also sind Helme aus GFK leichter als welche aus ABS? Das erreichen die Hersteller unter Zuhilfenahme von anderen Materialien, die die Glasfasern ersetzen. Die wohl bekanntesten sind Carbon und Aramid (auch bekannt als KEVLAR).

Die Fasern sind nicht nur leichter als Glasfasern, sondern zeichnen sich auch durch sehr hohe Festigkeit, hohe Schlagzähigkeit, hohe Bruchdehnung, gute Schwingungsdämpfung sowie Beständigkeit gegenüber Säuren und Laugen aus. Sie sind darüber hinaus sehr hitze- und feuerbeständig.

Die Fasern bilden zusammen mit dem verwendeten Harz eine sogenannte „Matrix“. Durch die Mischung verschiedener Fasermatten und deren Anordnung und Schichtung lassen sich die Eigenschaften erreichen, die man von einem modernen Helm erwartet. Auch der verwendete Harz spielt hierbei eine Rolle. Die Fasermatten sind zum Teil über Kreuz verwoben. Man spricht hierbei von einem s.g. Kreuzgelege. Dieses Kreuzgelege ist der letztendliche Schlüssel zum Erfolg, denn durch seine Kreuzstruktur verteilt es einwirkende Kräfte besser als es die Molekülketten eines Thermoplasthelmes könnten.

Die Helmhersteller haben unterschiedliche Namen für Ihre Duroplaste:

  • Shoei: AIM (Organisch und Glasfaser)
  • AGV: SSL (Aramid und Glasfaser)
  • HJC: PIM (Carbon, Aramid, Fiberglas)
  • ….

Obwohl Duroplasthelme chemisch unempfindlicher sind als Thermoplaste empfehlen die Hersteller eine Reinigung mit warmem (Seifen-) Wasser, um keine Risiken einzugehen.

Duroplasthelme haben eine Lebenserwartung von bis zu 8 Jahren. Danach lässt die schlagdämpfende Wirkung der Außenschale durch Versprödung nach.

 

Grundsätzliches zu beschädigten Helmen

Ganz einfach: Entsorgen. Wer sich die beiden Absätze zu den verwendeten Materialien durchgelesen hat weiß auch warum: Die Integrität der Außenschale ist geschwächt. Auch wenn es nur ein kleiner Haarriß im Lack ist, muss man davon ausgehen, dass das Material darunter auch gerissen ist. Denn dann hätten wir dort eine Schwächung und der Helm kann dort keine aufgenommenen Kräfte weiterleiten. Dies wird in den meisten Fällen zu einem Bruch der Schale an dieser Stelle führen. Wer keinen befreundeten Werkstoffprüfer hat, sollte also vorsichtshalber entsorgen.

Bei einer Entsorgung können Thermoplast Helme im übrigen zu 99% recycled werden.

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